Madhu Einsiedler

Wachstum

Persönliches Wachstum

Wir können sehr beschäftigt sein, unser ganzes Leben lang, wir können viel erleben, die Welt bereisen, viel sehen, wir können die Karriereleiter hinaufklettern, Herausforderungen meistern, lösungsorientiert Probleme angehen, unseren Körper fit und aktiv halten, wir können sogar unser Denken trainieren – und wahrscheinlich sind wir sogar erfolgreich – im Sinne von Einfluss haben, im Sinne von große Summen Geld verdienen.

Und all dies (weder einzeln noch zusammen genommen) ist kein Indikator dafür, dass wir als Mensch persönlich wachsen oder persönlich gewachsen sind.

Oft zeigen gerade sogenannte erfolgreiche Menschen Verhaltensweisen, die eher als Indikatoren genommen werden könnten, dass nicht so arg viel persönliches Wachsen stattgefunden hat.

Hier einige Möglichkeiten:

  • befinden andere Menschen als Quelle und Ursache für ihre eigene persönliche Befindlichkeit („wegen ihr/ihm ärgere ich mich jetzt!“; „wenn sie/er nur anders wären, würde das Projekt besser laufen, hätte ich weniger Sorgen, wären wir erfolgreicher“) und haben darüber keine Bewusstheit
  • tragen ihre persönliche Befindlichkeit, meist unbewusst, offen in jede Situation hinein und sagen von sich, dass sie so authentisch seien
  • verhalten sich in jeder Situation gleich, zeigen keinerlei Emotionen und sagen von sich, dass sie professionell seien und sich gut unter Kontrolle hätten
  • haben eine oder maximal zwei Führungsstrategien (beispielsweise „Druck ausüben und machen“; oder „Kümmern, Beziehung pflegen“) und denken, dass dies das einzig mögliche/erfolgreiche professionelle Führungsverhalten sei
  • nehmen, unbewusst, an, dass alle Menschen so funktionieren wie sie selber; darauf angesprochen, verneinen sie das intellektuell, sind jedoch irritiert, wenn sich jemand anders verhält, als sie es erwarten
  • denken von sich in Stärken und Schwächen; wobei Verhaltensweisen, die sie für sich als Schwächen definiert haben, oft rationalisiert und relativiert werden, beispielsweise „jeder kommt doch mal zu spät“ bzw. die „Schuld“ daran, siehe oben, anderen Menschen gegeben wird.
  • wissen intellektuell sehr wohl, dass sie sich auch irren können, in der jeweils vorliegenden Situation ist das aber sicher nicht der Fall; die eigene Gewissheit über das eigene Richtig-sein ist sehr klar

Vielleicht erkennen Sie hier gute Freunde, Bekannte und Kolleginnen wieder. Vielleicht kleine Anteile von sich auch? Kontaktieren Sie mich und wir besprechen diskret, wie Sie das nutzen können, um Ihre Erkenntnis- und Verhaltensmöglichkeiten zu erweitern.

In der psychologischen Literatur findet man unterschiedliche „Wachstumstheorien“ und „Wachstumtsschritte“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Entwicklungspsychologie).

Darüber hinaus findet man Aussagen, Ansätze und Modelle zu persönlichem Wachstum in der Gehirnforschung (am bekanntesten ist wohl Gerald Hüther http://www.gerald-huether.de), aber auch in der Philosophie (am übergreifendsten Ken Wilber) und in der Literatur (am bekanntesten Joseph Cambell).

Diese Theorien und Modelle zu persönlichem Wachstum haben zwei Faktoren gemeinsam. Alle Wachstumstheorien gehen davon aus,

  • dass Wachstum auf dem Weg von einer Außenorientierung hin zu einer Innenorientierung stattfindet (siehe unten)
  • dass sich Menschen, mit Schritten in den Modellen konfrontiert, immer 1-3 Stufen zu hoch einordnen.

Wir sehen uns immer persönlich er-wachsener, als wir von anderen erlebt werden.

Hier einige Gedanken zu Außen- und Innenorientierung im Zusammenhang mit persönlichem Wachstum.

Wir alle brauchen ein Gefühl von persönlicher Sicherheit und von persönlicher Anerkennung, um uns gedanklich und emotional wohl zu fühlen.
Unterschiedliche Faktoren geben unterschiedlichen Menschen diese Gefühle von Sicherheit und Anerkennung.

Sind wir nach außen orientiert, dann suchen wir persönliche Sicherheit und persönliche Anerkennung im Außen.

Und die unzählige Management- und Erfolgsliteratur bedient dieses Bedürfnis. Es gibt ebenso unzählige Modelle und Prozesse, denen man, so das Versprechen, nur genau zu folgen braucht, und schon wird man genauso erfolgreich und anerkannt, wie die Autorin/der Autor. Doch orientiert man sich nach diesen Modellen, bleibt man im gleichen Automatismus hängen: man sucht Orientierung und Sicherheit im Außen.

Je mehr wir wachsen, desto mehr findet diese Suche, und das Finden, im Innen statt. Persönliches Wachstum findet dort statt, wo wir uns von Außen nach Innen orientieren.

Die ersten Hälfte unseres Lebens ist geprägt durch Außenorientierung.

Diese Prägung fängt schon im Mutterleib an. Manche Gehirnforscher sagen sogar, dass schon 80% unserer neuronalen „Verkabelung“ während der Schwangerschaft passieren.

Als Kleinst- und Kleinkind brauchen wir das Außen, um uns sicher und angenommen zu fühlen. Wir lernen, wie Beziehung geht, wie wir gesehen werden und wie wir gesehen werden wollen. Wir lernen uns selber durch die Rückmeldungen des Außen zu sehen und zu verstehen.

So entsteht eine durch das Außen definierte Identität.

Es entsteht ein generelles Gefühl von persönlicher Sicherheit in der Welt, von persönlichem Angenommen sein, und auch von persönlichem Angekommen sein. Es entstehen Verhaltensautomatismen, die uns effektiv durch die Welt navigieren lassen.

Wir lernen, dass wir diese Identität sind, wir identifizieren uns mit diesen von Außen gelernten Sichtweisen von uns selber und den gelernten persönlichen Verhaltensautomatismen. Und wir identifizieren uns mit den Gefühlen, die diese gelernten Wertungen über uns auslösen.

Wenn wir 30 oder 40 oder 50 sind, haben wir eine ziemlich festgefahrene Idee davon, wer wir persönlich sind und wie wir mehr oder weniger funktionieren. Und die meisten dieser Ideen haben wir von außen aufgenommen und als unsere eigenen internalisiert.

Ohne persönliches Wachstum behalten wir diese Strategie – im Außen nach persönlicher Sicherheit und persönlichem Angenommensein zu suchen – bei.

Wir suchen uns unsere persönliche Stabilisierung in der Karriere, über das Gefühl von Verantwortung, im gemachten Umsatz, im erreichten Marktanteil, im neuen Haus, auf der tollen Jacht, im kraftvollen (im schnellen) Auto, in der Familie, bei den Kindern, bei den Trophäenpartnern.

Ihnen fallen eventuell noch Beispiele von Freunden und Bekannten ein.

Persönliches Wachstum hat auch nichts mit dem Trend der Selbstoptimierung zu tun, die doch wieder nur dazu dient, die eigenen (von Außen übernommenen) Soll-Bilder zu erfüllen – schneller, weiter, höher, schöner, jünger, reicher.

Der Automatismus, der persönliches Wachstum verhindert: Wann immer Unzufriedenheit oder vielleicht sogar ein kaum wahrnehmbares Gefühl von Unsicherheit auftaucht, haben wir gelernt, dieses Gefühl sofort durch eine Handlung im Außen zum Verschwinden zu bringen bzw. distanzieren wir uns davon, indem wir es externalisieren, das heisst indem wir es „jemandem anderen aufkleben“.

Persönliches Wachstum jedoch heißt – in dem sind sich all die unterschiedlichen Theorien und Zugänge einig – immer, die persönliche Sicherheit und persönliche Anerkennung, die man eventuell für 30, 40, 50 Jahre im Außen gesucht und gefunden hat, im Inneren zu suchen und zu finden. Dieses Im-Innen-finden bringt die gesuchten Antworten, Lösungen, bringt Freiheit und Authentizität.

Das heißt auch, all die bisherigen „Wahrheiten“ (die Sicherheit gegeben haben) und Gewissheiten über sich selbst und wie man die Welt sieht zu hinterfragen und die eigenen Antworten jenseits der gelernten und übernommenen zu finden. Dafür muss man für ein Stück des Weges Unsicherheit erlauben.

Sehr gutes Coaching für persönliches Wachstum bietet den sicheren Rahmen, der es ermöglicht, diese Unsicherheit für einen definierten Zeitraum zu erlauben. Und in diesem Rahmen kann die Umorientierung von Außen nach Innen, in diesem Rahmen kann persönliches Wachsen stattfinden.

Der eigene persönliche Wachstumsweg ist immer einzigartig.

Sehr gutes Coaching unterstützt und fördert Ihr einzigartiges persönliches Wachsen.

Persönliches Wachstum hat immer damit zu tun, eine Idee, die man von sich selber hat, aufzugeben.
Dann gehen wir eine Zeit ohne Idee, lassen in einem sicheren Raum diese Verletzlichkeit zu. Oft adoptieren wir dann eine neue Idee. Nur um diese dann eine Zeitspanne später wieder gehen zu lassen, in der nächsten Runde des persönlichen Wachstums.

Sehr gutes Coaching bietet einen sicheren Raum und Rahmen, in dem wir uns diesen Unsicherheiten stellen können. Wachstum heisst, die Aufmerksamkeit von Außen nach Innen, auf uns selber zu richten, auf unsere Annahmen, unsere Verhaltensweisen, unsere Automatismen und Antreiber; Wachstum heisst diese Automatismen mit wertschätzender und liebevoller Strenge und Klarheit auf ihre guten Gründe, auf ihre Wirkungen und ihre Validität anzusehen und zu überprüfen und dann bewusst neue, authentische Entscheidungen zu treffen.

Mehr Klarheit über Ihr persönliches Wachstum erlangen? Kontaktieren Sie mich.